Der Holzspan
  2008
 
Echte Walnuss (Juglans regia)

Die Echte Walnuss (Juglans regia) ist ein sommergrüner Laubbaum aus der Familie
der Walnussgewächse (Juglandaceae). Sie wird in der Umgangssprache meist
verkürzt als Walnuss oder Walnussbaum bezeichnet, in der Schweiz auch als
Baumnuss. Der gelegentlich benutzte Begriff Persische Walnuss ist der englischen
Bezeichnung „Persian Walnut“ angelehnt. Im Russischen wird sie als „Griechische
Nuss“ bezeichnet. Der Baum ist durch die wirtschaftliche Nutzung seiner Früchte,
der Walnüsse, allgemein bekannt.

 Beschreibung

Der Walnussbaum wird 15 bis 25 Meter, in dichteren Baumbeständen auch bis 30
Meter hoch. Sein Höhenwachstum endet mit ca. 60 bis 80 Jahren, er kann ein
Alter von 150 bis 160 Jahren erreichen. Der Baum bildet ein tief wurzelndes
Pfahl-Herzwurzelsystem und im Freistand eine breite Krone aus. Seine Rinde ist
in der Jugend glatt und aschgrau, im Alter entwickelt sich eine tiefrissige,
dunkel- bis schwarzgraue
Borke. Die wechselständigen Blätter sind unpaarig
gefiedert mit fünf bis neun (meist sieben) Fiederblättchen und erreichen eine
Länge bis zu 30 Zentimeter. Die dunkelgrünen Fiederblättchen selbst sind 6 bis
12 Zentimeter lang und 2 bis 6 Zentimeter breit und streng gegenständig. Ihre
Form ist elliptisch bis eilänglich, sie sind fast ganzrandig und bis auf die
Achselbärte unbehaart. Im Frühjahr ergrünt die Walnuss als letzter Laubbaum,
noch nach der Eiche; im Herbst wirft sie früh ab. Die Laubblätter verströmen
beim Zerreiben einen aromatischen Duft.

Die Echte Walnuss ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), auf einer
Pflanze gibt es also weibliche und männliche Blüten. Die männlichen Blüten
sitzen zu vielen in einem Blütenstand, der die Form eines hängenden Kätzchens
hat. Die weiblichen Blüten sitzen in wenigblütigen Blütenständen. Die Blüte
erfolgt zwischen April und Juni, wobei die männlichen Blüten meist vier Wochen
früher erscheinen (Proterandrie). Die Bestäubung erfolgt durch Wind (Anemophilie).

Die Kerne der Früchte, die ihre Reife durch eine braun und rissig werdende
Schale anzeigen, sind als Walnüsse bekannt und überall im Handel erhältlich.
Traditionell galten die Früchte der Walnussgewächse in der Botanik als
Steinfrüchte. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass sie zu den Nussfrüchten
zu zählen sind. Entgegen früheren Meinungen scheint die grüne, nussumgebende
Hülle nicht Bestandteil des Perikarps zu sein, sondern sie wird aus
Blattorganen gebildet. Die Nuss selber variiert in ihrer Form und Größe stark.
Sie kann rund, oval walzenförmig, eiförmig oder schnabelförmig sein, ist 2,5 bis
8 Zentimeter lang und 2,5 bis 5 Zentimeter breit. Die Schalendicke beträgt 1,8
bis 2,2 Millimeter.

Die echte Walnuss wird gern als Beispiel herangezogen, um Allelopathie zu
erklären. In den grünen Organen wird ein Glucosid gebildet, welches nach
Freisetzung in Juglon umgewandelt wird. Dieses wirkt auf zahlreiche
Pflanzenarten keim- und wachstumshemmend.

Taxonomie

Die Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae) besteht aus acht Gattungen mit
etwa 60 Arten. Hierunter befinden sich überwiegend Bäume und nur vereinzelt
Sträucher. Die Echte Walnuss (Juglans regia) gehört hierbei mit über 20 weiteren
Arten zur Gattung der Walnüsse (Juglans). Weitere bekannte Vertreter dieser
Gruppe sind die Schwarznuss (Juglans nigra) und die Butternuss (Juglans cinerea),
welche aus Nordamerika nach Deutschland eingeführt wurden.

Wie auch die verwandten Arten ist die Echte Walnuss genetisch sehr variabel,
daher wurden in Asien bereits vereinzelt Unterarten beschrieben. Diese werden
jedoch noch nicht allgemein anerkannt.

Wegen der großen innerartlichen Heterogenität werden zahlreiche Varietäten und
Sorten beschrieben, die sich phänologisch insbesondere im Wuchsverhalten und im
Aussehen der Früchte unterscheiden. Am bekanntesten in China ist die
Yanbian-Walnuss auf Grund der guten Erträge, und die Xinjiang-Walnuss, der eine
hohe Krankheitsresistenz zugeschrieben wird. Auch im künstlichen Anbaugebiet
werden zahlreiche Sorten unterschieden. Allein in Deutschland gibt es im
Deutschen Nusskatalog über 100 Sorten, die sich durch Nussform, Ertrag,
Frostresistenz oder andere Eigenschaften unterscheiden.

Verbreitung

Die Echte Walnuss ist bereits für das Tertiär belegt. Es wird vermutet, dass sie
in Syrien sowie West- und Südanatolien die Eiszeiten überstand. Ihre natürliche
 Verbreitung im Quartär hat sie im östlichen Mittelmeergebiet, auf der
 Balkanhalbinsel sowie in Vorder- und Mittelasien. Sie ist in feuchten
 Schluchtwäldern der Gebirge zu finden und wächst im Himalaya in Höhen bis
 3300 m ü. NN.

Bekannt sind die Nussbaumwälder in Kirgisistan im Tianshan-Gebirge. Kirgisistan
ist mit nur 4 % Waldfläche eines der waldärmsten Länder Asiens, beherbergt aber
die größten Nussbaumbestände der Welt. In einer Höhenzone von 1000 bis
2000 m ü. NN werden die Bäume insbesondere an Nordhängen bis zu 30 m hoch und
erreichen ein Alter von bis zu 150 Jahren. Im Mittelstand dieser Wälder
wachsen verschiedene Kern- und Steinobstarten; die Bestände werden agroforstlich
genutzt.

Es gibt einzelne umstrittene Hinweise auf die Ausbreitung der Art nach
Mitteleuropa bereits in der Vorgeschichte; mit Sicherheit wurde sie seit
römischer Zeit in weiten Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas kultiviert. So
ist ihre jetzige Verbreitung stark durch den Anbau als Fruchtbaum geprägt. In
Mitteleuropa kommt sie in der Regel in kultivierter Form auf Bauernhöfen, in
Gärten oder als Einzelbaum in der Feldflur vor. Gelegentlich findet man sie
verwildert, vor allem in Auwäldern des Rheins und der Donau. In Oberösterreich
findet man in den Auwäldern der Flüsse Alm, Enns und Traun kleinfrüchtige,
ziemlich frostharte Wildformen. Diese werden Spitz-, Schnabel- oder Steinnuss
genannt. Es ist nicht geklärt, ob es sich dabei um eine autochthone
mitteleuropäische Sorte handelt. Obwohl die Echte Walnuss in den Alpen bis
etwa 1200 m zu finden ist, wächst sie selten auf Standorten über 800 m
Meereshöhe. Die Echte Walnuss wird auch in Nordamerika wegen ihrer
wohlschmeckenden Früchte großflächig angebaut, insbesondere in Kalifornien.

Da sie gegen Winterkälte und Spätfröste sehr empfindlich ist, findet man sie
häufig in wintermilden, nicht zu niederschlagsarmen Lagen wie in den
Weinbaugebieten. Sie wächst besonders gut auf tiefgründigen, frischen,
nährstoff- und kalkreichen Lehm- und Tonböden.

Eine zusätzliche Verbreitung als forstliche Wirtschaftsbaumart hat trotz des
hochwertigen Holzes bisher kaum stattgefunden, da die Echte Walnuss als
konkurrenzschwache Lichtbaumart (in der Jugend jedoch schattentolerant) gilt
und somit nur bedingt in gängige Waldbaukonzepte zu integrieren ist. Erste
Schritte zur Züchtung geeigneten Pflanzenmaterials und Versuche zur
waldbaulichen Behandlung wurden in den letzten Jahren jedoch in die Wege
geleitet.

Außerdem ist der Bestand der Walnuss laut dem Kuratorium „Baum des Jahres“ in
den letzten Jahren durch übertriebene Nutzung und mangelnde Nachpflanzung in
Deutschland stark zurückgegangen, weshalb sie zum „Baum des Jahres 2008“ gewählt
wurde.

Nutzung

Der Anbau der Echten Walnuss erfolgt in erster Linie wegen des Fruchtertrags.
Da aber auch das Holz sehr begehrt und eines der teuersten Hölzer ist, wird
seit Ende des letzten Jahrhunderts vermehrt versucht, den Baum
forstwirtschaftlich zu nutzen. Die im Handel angebotenen Sorten sind aber in
der Regel auf hohen Fruchtertrag selektiert worden. Viele Bäume werden deshalb
auch als Halbstamm angeboten. Auch die Blätter werden getrocknet und zu
äußerlichen und innerlichen Anwendungen genommen; Folia Juglandis ist offizinell.

Eine forstliche Nutzung setzt schnell- und gradwüchsiges Pflanzmaterial voraus,
welches aber derzeit in dieser Form nicht im Handel ist. Die Anzucht in
Beständen engt die Kronen ein, was zwar zu einem geringeren Fruchtertrag führt,
aber längere astfreie Stammabschnitte zu erzielen hilft. Unter Konkurrenz
wachsende Bäume können bis zu 10 m höher werden als Einzelbäume. Im Zusammenhang
mit der Wertholzproduktion wurde die Walnuss (Mars symbol.svg) mit der
Schwarznuss (Venus symbol.svg) gekreuzt. Die daraus entstandene
Juglans × intermedia soll wipfelschäftig und schnellwüchsig sein. Man erwartet
eine höhere Frosthärte als bei der Walnuss und eine Resistenz gegen das
Schwarznusssterben.

Früchte

Alter     Guter Standort     Schlechter Standort
1–15 J.     –                 –
16–25 J.     10 kg             7 kg
26–35 J.     25 kg             15 kg
36–60 J.     45 kg             22 kg
61–80 J.     55 kg             13 kg
81–100 J.     32 kg             13 kg

Nussertrag

Walnussbäume beginnen ab einem Alter von 10 bis 20 Jahren Früchte zu tragen.
Erst ab dem vierten Jahrzehnt werden gute Erträge erzielt, die im hohen Alter
dann wieder zurückgehen. Der Ertrag ist neben dem Alter vom Standort und von der
Sorte abhängig. Die Bäume fruchten nicht jedes Jahr gleich gut. Hierbei spielt
das Wetter eine wichtige Rolle; so heißt es, gute Nussjahre seien auch gute
Weinjahre. Es wird davon ausgegangen, dass auf ein gutes Jahr zwei mittlere
Ernten und eine Missernte kommen. Bei einer guten Ernte sind bei großkronigen
Bäumen maximale Erträge bis zu 150 kg Nüsse pro Baum möglich.

Die Weltjahresproduktion an Walnüssen lag 2005 bei 1,5 Millionen Tonnen. Damit
hat sie sich seit 1961 verdreifacht. Die Hauptproduzenten waren die USA, die
Staaten der ehemaligen UdSSR, China, die Türkei und Italien.

Die Früchte reifen Ende September bis Anfang Oktober zu Walnüssen. In
Kalifornien dauert die Ernte von Ende August und bis November. Sie sind reif,
wenn die grüne fleischige Umhüllung aufplatzt und sich die Nüsse von der Schale
lösen und beginnen zu Boden zu fallen. Üblicherweise werden die Nüsse von den
Bäumen geschüttelt, in Reihen gefegt, aufgenommen und zur ersten Säuberung und
anschließenden Trocknung gebracht. Sie werden von den Resten der Außenschale
befreit, gewaschen und am Band aussortiert. Anschließend müssen sie luftig und
trocken gelagert werden, um Schimmelpilzbefall zu verhindern. In größeren
Lagerhallen werden die Nüsse während der Trocknung einige Tage lang mehrfach
gewendet. Zur Trocknung von kleineren Mengen eignen sich luftdurchlässige Netze.
Bei der Trocknung wird der Feuchtigkeitsgehalt auf höchstens acht Prozent und
somit das Gewicht der Nüsse um bis zu 50 Prozent gesenkt. Danach kommen die
Nüsse zur eigentlichen Verarbeitung, wo sie zunächst durch Begasung desinfiziert
werden. Die Verarbeitung und Qualität ist durch das Landwirtschaftsministerium
der Vereinigten Staaten (kontrolliert von der DFA) und der Vermarktungsnorm der
Europäischen Union geregelt. Da gut getrocknete Nüsse über mehrere Monate
gelagert werden können, sind sie ganzjährig im Handel zu erhalten. Ungeschält
an Endverbraucher zu verkaufende Nüsse werden zunächst sortiert – maschinell
nach Größe, leere Nüsse abgesaugt, danach von Hand sortiert. Zuletzt werden
wahlweise abgebürstet, gewaschen oder geschwefelt und gebleicht (mit
 Natriumhypochlorit oder Wasserstoffperoxid), um ihren Verkaufswert zu erhöhen.

Zur Schälung werden die geschlossenen Nüsse zur Erleichterung der Schälung nach
Kerngröße sortiert. Spezielle Knackmaschinen (sogenannte dragon crackers)
brechen die Schale auf und trennen die Bestandteile voneinander. Danach werden
leichte Schalenteile und kleine Kernteile ausgeblasen. Der Rest wird nach Größe
ausgesiebt und dann nochmals ein großer Teil Schalenteile ausgeblasen.
Anschließend wird die Ware auf einem Band mittlerweile üblicherweise mit Laser
abgetastet und Rechnergestützt die Schalenteile erkannt und mit zig über die
Breite des Bandes angeordneten, einzeln ansteuerbaren Düsen mit Pressluft
aussortiert. Diese Laser-Sortieranlage wird mehrmals durchlaufen und
abschließend noch eine Sichtung durch menschliche Arbeiter angeschlossen.

Mit Abstand am häufigsten im Handel erhältlich ist die gewöhnliche Walnuss. Die
Kriebelnuss ist eine kleine Variante der gewöhnlichen Walnuss. Weitere Sorten
sind die hartschalige Schlegelnuss mit 6,5 cm Länge und 2,6 cm Durchmesser und
die Meisennuss mit sehr zerbrechlicher Schale. Die weichen Schalen der
Pferdenuss werden traditionell zu kleinen Schmuckschachteln verarbeitet. Daher
tragen sie die französische Bezeichnung noix à bijoux („Nüsse für Juwelen“).

Die Walnuss wird vom Kuchen bis zum Walnusseis in vielen Speisen genutzt. Neben
ganzen Nüssen werden auch von der Schale befreite Walnusskerne und Walnussöl
verkauft. Eine weitere Möglichkeit der Nutzung ist die Ernte halbreifer grüner
Nüsse im Juni. Aus diesen kann ein Einmachobst mit einem hohen Gehalt an
Vitamin C (kandiert auch Schwarze Nüsse genannt) oder ein Nusslikör
(Nussgeist, Nussschnaps) hergestellt werden.

Je nachdem, ob frisch oder getrocknet, haben Walnusskerne einen Fettanteil
von 42 bis 60 Prozent, dabei überdurchschnittlich viel von den für das Herz
gesunden Omega-3-Fettsäuren, 11 bis 16 Prozent Eiweiß, 15 bis 23 Prozent
Kohlenhydrate. Der Energiegehalt ist höher als bei allen anderen handelsüblichen
Nüssen mit Ausnahme der Paranuss ( ca. 2887 kJ / 690 kcal je 100 g ). Dazu ist
diese Frucht reich an Zink (ein wichtiges Spurenelement unter anderem für Leber
und Haare) und Kalium (unter anderem für den Herzmuskel), außerdem enthält sie
Magnesium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Calcium und die
Vitamine A, B1, B2, B3, C, E und Pantothensäure.

In einer Untersuchung über Mittelmeerdiäten wurde festgestellt, dass die Früchte
eine gegen Diabetes (Typ2) schützende Wirkung besitzen.

Holz

Das Holz der Echten Walnuss ist ein begehrtes Edelholz, dessen Verwendung auf
hochwertige Gegenstände beschränkt ist. Da es in der Regel nur als Nebenprodukt
bei der Fällung von Fruchtbäumen anfällt und ein gezielter Anbau für die
Holzproduktion nur ansatzweise vorhanden ist, ist der Verwendung oft ein Riegel
vorgeschoben. Dass Nussbäume oft mit dem Wurzelstock ausgegraben werden, ist
 aber nicht auf die Knappheit zurückzuführen. Die untersten, teilweise bis in
 die Erde reichenden Baumteile sind knollenartig verdickt und Lieferanten für
 die wertvollsten Maser-Furniere, welche auch Wurzelfurnier genannt und unter
 anderem für Autoarmaturen verwendet werden.

Das Holz wird für Möbel, Innenausbau, Parkett oder Täfelungen genutzt. Auf
Grund des hohen Preises wird es meist in Form von Furnieren eingesetzt. Bekannt
ist auch die bevorzugte Verwendung für Gewehrschäfte. Hier gilt es wegen seiner
hohen dynamischen Festigkeit und seiner geringen Neigung zum Splittern als
bestgeeignete Holzart überhaupt. Diese Nutzung hat in Kriegszeiten wesentlich
zur Dezimierung der Bestände beigetragen.

Das typische Kernholz besitzt einen grauweißen bis rötlichweißen Splint und
einen dunkelfarbigen Kern. Dieser ist farblich sehr variabel und kann grau bis
dunkelbraun sein. Die Farbvariationen sind oft abhängig vom Standort und dabei
insbesondere von den Faktoren Klima und Bodenbeschaffenheit. Im Handel wird
zwischen Herkünften unterschieden. So hat „italienisches Nussholz“ gegenüber
deutschen und schweizerischen Herkünften eine rötlichere Färbung und eine
lebhaftere Struktur. Während vor ca. 70 Jahren in Deutschland der „kaukasische
Nussbaum“ mit seiner schwarzen Färbung besonders gefragt war, wird heute das
„französisches Nussholz“ auf Grund seiner besonderen Zeichnung und Färbung
geschätzt.

Das Holz ist halbringporig. Dieses bedeutet, dass sich das Frühholz mit seinen
größeren Gefäßen vom kleingefäßigen Spätholz absetzt, aber nicht so deutlich wie
bei ringporigem Holz. Auf den Schnittflächen erscheint hierdurch bei
Tangentialschnitten eine dekorative Fladerung und bei Radialschnitten eine
Streifung. Außerdem ist die Farbe des Kerns häufig streifig oder wolkig verfärbt
oder der Faserverlauf weicht von der Stammachse ab. Hierdurch ergeben sich
geflammte, geriegelte oder gemaserte Oberflächen, welche im Holzhandel
besondere Preise erzielen. Das Holz ist feinfaserig, mittelhart und mittelschwer.
Die Rohdichte ?0 beträgt 640 kg/m³ (450-750). Das Holz ist zäh und biegsam, aber
elastisch. Es ist auch bei Feuchtigkeit dauerhaft und lässt sich gut bearbeiten,
beizen und polieren. Im frischen Zustand schwindet es stark, ist aber nach
Lufttrockenheit gut formbeständig.

Sonstige Nutzungen


Halbreife Nüsse und im Frühsommer geerntetes Laub haben einen Gehalt an
Vitamin C von bis zu 1 Prozent und gehören damit zu den Vitamin-C-reichsten
Pflanzenteilen in Mitteleuropa. So fanden sie schon seit der Antike vielseitige
medizinische Verwendung. Ihre Extrakte werden noch heute in der Naturheilkunde
eingesetzt. Sie sollen unter anderem bei Anämie, Diabetes mellitus, Durchfall,
Darmparasiten, Frostbeulen, Hautgeschwüren und Wunden helfen. So wird ihnen
eine antiseptische, wurmtreibende, tonische, blutreinigende und narbenbildende
Wirkung nachgesagt.

Der aus der grünen Umhüllung der Nüsse hergestellte Extrakt eignet sich auch
als Tönungsmittel für braune Haare oder als Färbemittel für Holz in Form der
Nussbeize oder auch als Gerbmittel. Auch als braunes Textilfärbemittel wurde
die Umhüllung seit römischer Zeit genutzt. Verantwortlich hierfür ist der
Inhaltsstoff Juglon. Auch die Nussbaumrinde eignet sich als Beiz- und
Färbemittel. Zusätzlich wird sie auch in der Weinbrandindustrie als
Alterungsmittel oder Zusatz für die Erzielung eines gewünschten Weinbrand-Typs
eingesetzt (Typage).

Gemahlene Walnussschalen werden teilweise auch in Form von Granulat als
Strahlmittel für Oberflächenbehandlungen eingesetzt. Hierdurch kann eine
schonende Reinigung wenig verschmutzter, empfindlicher Oberflächen (zum Beispiel
bei Buntmetall, Gummiwerkzeugen oder Elektroteilen) erreicht werden. Eine
weitere Einsatzmöglichkeit existiert bei der Restaurierung von hölzernen
Kunstwerken, wo durch die Bestrahlung Lackreste entfernt und eine offenporige
Holzstruktur wiedergewonnen werden soll. Ebenso finden sie feiner granuliert
als Reinigungskörper in Handwaschpasten Verwendung.

Besondere Eigenschaften

Der Boden unter Walnussbäumen ist meist nicht bewachsen, vorhandene
Unterpflanzen kümmern stärker, als die Beschattung hierfür verantwortlich wäre.
Der Baum gibt Hemmstoffe ab, die verhindern, dass andere Pflanzen in Konkurrenz
um die Nährstoffe gedeihen. Diese biochemische Abwehr wird als Allelopathie
bezeichnet. Die Blätter des Walnussbaums sind besonders gerbstoffreich, sie
bauen sich langsamer ab als anderes Laub und werden auch von den meisten
Insekten eher gemieden. Nussbäumen wird außerdem die Eigenschaft zugeschrieben,
Fliegen zu vertreiben, so dass sie häufig in Bauernhöfen (neben dem Misthaufen)
gepflanzt wurden.

Der Baum reagiert sehr variabel auf Schnittmaßnahmen zu unterschiedlichen
Terminen. Wird im Frühjahr geschnitten, tritt ein starker und langanhaltender
Saftfluss ein (oft als „Verbluten“ beschrieben). Er lässt sich mit Hilfsmitteln
nicht stillen, endet jedoch nach längerer Zeit durch Wundheilung von selbst. Um
übermäßiges Bluten der Bäume zu vermeiden, können Schnittmaßnahmen auch im
Spätsommer (zeitlich mit der Süßkirschenernte) erfolgen, hier setzt die
Wundheilung sehr viel schneller ein.

Schädlinge

In Europa breitet sich seit Ende der 1980er Jahre die als Neozoon aus
Nordamerika stammende Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa) aus. Deren
Eiablage in die Hülle der unreifen Früchte lässt jene faulen und sich schwarz
verfärben, angetrocknet lässt sich das Fruchtfleisch dann nicht oder nur sehr
schlecht von der Nuss ablösen.

Geschichte

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Walnuss seit über 9000 Jahren
als Nahrungsmittel genutzt wird. Erste schriftliche Erwähnungen stammen von
Plinius dem Älteren und Columella. Letzter beschrieb das Anpflanzen und
die Pflege von Walnussbäumen in seinem Buch über Baumzucht. Plinius berichtet
in seiner Naturalis historia, dass die Griechen den Baum im 7. bis 5.
Jahrhundert vor Christus nach Europa brachten. Der griechische Name Dios
balanos bedeutete Eichel des Zeus. Bei der Übertragung ins Lateinische wurde
daraus gleichbedeutend Iovis glans, was Eichel des Jupiter oder Jupiter-Nuss
bedeutete. Durch phonetische Umbildung entwickelte sich aus Iovis glans im Lauf
der Zeit die Bezeichnung Juglans, die den heutigen Gattungsnamen darstellt.
Dieser wurde 1753 durch Carl von Linné mit dem Artnamen regia (königlich)
ergänzt. In diesen Namensgebungen kommt zum Ausdruck, dass die Echte Walnuss
schon seit alters her eine mythische Rolle spielte und wegen ihres
majestätischen Habitus und reichen Fruchtansatzes mit Königswürde und
Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden einzelne Walnussschalen in süddeutschen
Pfahlbauten entdeckt. Bei modernen Grabungen wurden allerdings nirgends
entsprechende Funde aus dem Neolithikum oder der frühen Bronzezeit gemacht, so
dass die Walnuss vermutlich erst durch die Römer nach Deutschland gelangte. In
 römischer Zeit wurden kultivierte Sorten unter dem Namen nux gallica (gallische
Nuss) nach Gallien eingeführt und von dort nach Deutschland verbracht. Hier
wurde die gallische Nuss dann Walch- oder Welschbaum genannt, woraus sich im 18.
Jahrhundert der Name Walnussbaum entwickelte. Im Mittelalter und der frühen
Neuzeit wurden Walnussbäume in zahlreichen Obstgärten kultiviert. 1770
gelangten die ersten Nüsse durch spanische Missionare in die Neue Welt. Mit der
Anpflanzung des ersten Walnussgartens im Jahr 1867 durch den Gärtner Joseph
Sexton in der Nähe von Santa Barbara in Kalifornien begann eine kommerzielle
Nutzung, die bis heute Kalifornien zum größten Walnussexporteur der Welt
gemacht hat. Die Nuss wird inzwischen in über 5.000 Plantagen auf zusammen
82.000 Hektar angebaut. Mit knapp 300.000 Tonnen jährlicher Ernte produziert
Kalifornien damit etwa 2/3 der Walnuss-Welternte.

Symbolik und Volksglauben


In dem Buch Symbolik der Pflanzen  hat Marianne Beuchert Informationen zur
Walnuss zusammengetragen. Nüsse gelten allgemein als Symbol der Fruchtbarkeit.
Die Walnuss spielte in den römischen Hochzeitsbräuchen eine wichtige Rolle. Der
Bräutigam warf diese unter Gäste und Zuschauer. Ein heller Klang beim Aufprall
soll eine ebenso glückliche Ehe, wie die von Jupiter und Juno, vorhersagen. Die
Germanen, die den Brauch von den Römern übernahmen, weihten die Nüsse Fro, der
Göttin der Liebe und des Erntesegens. Sie mischten jedoch die kostbaren Walnüsse
 mit Haselnüssen. Aus römischer Zeit sind für Südwestdeutschland, die Schweiz
 und Teile Frankreichs Walnussschalen in Gräbern und bei Brandopferungen belegt.


Im Christentum gibt es verschiedene Bedeutungen. So soll der Kern das süße
Fleisch Christi symbolisieren, das zuvor in der Schale von Marias Schoß
gewachsen war. Oder die Kirche wurde selbst durch die Nüsse symbolisiert, da
sie „ihre süße Tugend heimlich tief im Herzen unter einer festen Schale bewahrt“.
Augustinus von Hippo sah in der scharf schmeckenden Hülle die bitteren Leiden
Jesu und in der harten Schale das Holz des Kreuzes, das ihm das ewige Leben
ermöglichte. Später wurde Josef bei seiner Hochzeit mit Maria mit einem
Walnusszweig in der Hand dargestellt.

Gerade als Symbol der Fruchtbarkeit und der Frau sahen manche Mönche und
Pfarrer in der Walnuss jedoch auch das Zeichen der Wollust und Sünde. So
warnten sie davor, dass auf jedem Blättchen ein Teufel wohne, der mit Hexen
unter den Bäumen Liebesorgien feierte. Auch sollte der Schatten der Bäume
gesundheitsschädlich sein.

Obwohl die Walnuss keine einheimische Baumart in Mitteleuropa ist, konnte sie
im Volksglauben eine vergleichsweise wesentlich wichtigere Stellung einnehmen
als die allgegenwärtige Rotbuche. Vermutlich wurden auch alte, auf die
Haselnuss bezogene Bräuche auf die Walnuss übertragen. Während in einzelnen
Gebieten Süddeutschlands ein Haselzweig vor dem Blitz schützen soll, wird am
 Niederrhein dem Walnusszweig die gleiche Wirkung zugesprochen. In der
 Steiermark betrachtet man eine gute Nussernte im Herbst als Zeichen dafür,
 dass im nächsten Jahr viele Jungen geboren werden. In Oberösterreich wurden
 von heiratsfähigen Mädchen Stöcke in die Kronen der Nussbäume geworfen. Wenn
 der Stock nicht wieder herunterfiel, heiratete die Werferin noch im selben Jahr.
 Auch der Ratschlag, in der Neujahrsnacht die Zweige abzuschlagen, um im
 nächsten Jahr eine gute Ernte zu erzielen, beruht auf Aberglauben.

 




Kommentare zu dieser Seite:
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